Wenn Werner Schneyder heute noch das seinerzeit sehr beliebte „Das ausgefallene Sportstudio“ moderieren würde, käme er wohl nicht umhin im Rückblick für dieses Jahr auch die zahlreichen rechtlichen Auseinandersetzungen aus dem Bereich des Sport kritisch und auch spöttisch unter die Lupe zu nehmen. Wer und welche Anliegen aus Welt der angeblich schönsten Nebensache der Welt haben dieses Jahr nicht alles die Gerichte beschäftigt. Hier nur ein paar Beispiele:


Reiner Calmund verklagt seinen Ex-Arbeitgeber Bayer Leverkusen wegen der Kürzung seiner Ruhestandbezüge ob seiner umfangreichen Nebentätigkeiten. Der Verein ließ sich das nicht bieten und ermittelte gegen Calmund wegen des Verdachts der Untreue, weil der Verbleib von 580.000 Euro Bargeld aus der Vereinskasse ungeklärt war. Jens Nowwottny, Spieler des gleichen Vereins, hatte zuvor erfolglos im Jahr 2005 versucht, ein Handgeld und Lohnfortzahlung im Krankheitsfall einzuklagen.

Auch andere Fußballvereine trugen Differenzen mit ihren Angestellten gerichtlich aus. Der FC Union Berlin wurde in zwei arbeitsgerichtlichen Verfahren dazu verpflichtet, in die Verbandsligamannschaft “versetzte” Spieler bis zu einer Entscheidung im Hauptsacheverfahren wieder in den Trainigsbetrieb der Regionalliga-Mannschaft einzusetzen (zum Bericht bei blog.juracity.de).

Insbesondere der Profi-Radsport hat für eine wahre Prozeßlawine gesorgt. Hervorgetan haben sich dabei insbesondere Deutschlands bisheriger Vorzeigeradler Jan Ullrich und der Heidelberger Molekularbiologe Prof. Dr. Werner Franke. Ullrich erwirkte eine einstweilige Verfügung gegen Franke, so daß dieser nicht mehr behaupten durfte, Ullrich habe mehrere tausend Euro an den spanischen Arzt Fuentes für Doping-Mittel bezahlt. Franke reagierte hierauf mit einer weiteren Strafanzeige gegen Jan Ullrich wegen der Abgabe einer falschen eidesstattlichen Versicherung in dem Verfügungsverfahren, nachdem die Professorin der Universität Bielefeld, Britta Bannenberg, gegen Ullrich bereits Strafanzeige wegen Betrugs (blog.juracity.de berichtete) zu Lasten seines Arbeitgebers und Verstoßes gegen das Arzneimittelgesetz eingereicht hatte.

Während Ullrich seit seiner Demission zum Start der diesjährigen Tour de France bis heute kein Rennen mehr gefahren ist, waren da andere Radstars wie der Sprinter Danilo Hondo erfolgreicher. Hondo war 2005 zwei Mal positiv auf das Aufputschmittel Carphedon getestet worden. Zu Beginn des Jahres 2006 „kassierte“ allerdings das Oberste Schweizer Kantonsgericht ein Doping-Urteil des Internationalen Sportgerichtshofs CAS im Wege einer Einstweiligen Verfügung. Hondo hat in 2006 wieder einige Siege eingefahren. Jörg Jaksche, der ebenfalls im Zusammenhang mit der spanischen Doping-Ermittlung „Operation Puerto“ aus dem Renngeschehen ausgeschlossen wurde, verklagte im Herbst diesen Jahres mit weiteren belasteten Fahrern den spanischen Radsportverband wegen Verletzung ihrer Datenschutzrechte.

blog.juracity.de berichtete auch über die Entlassung des frühreren Weltklasse-Einskunstläufers Ingo Steuer aus der Bundeswehr im Wege des veraltungsgerichtlichen Disziplinarverfahrens, weil dieser bei der Einstellung eine Stasi-Vergangenheit geleugnet hatte. Steuer hat nun seinerseits aber einen juristischen Teilerfolg errungen. Der Widerspruch der Deutschen Eislauf-Union (DEU) gegen eine von Steuer erwirkte einstweilige Verfügung, wonach er ein von ihm trainiertes Eiskunstlauf-Paar weiter im Wettkampf betreuen darf, wurde vom Landgericht München verworfen.

Der Verband hat allerdings Beschwerde angekündigt.

So neigt sich ein Sportjahr gen Ende, das neben den sportlichen Highlights der Fußball-, Hockey- und Reit-WM im eigenen Lande auch für manchmal mehr oder weniger oder Spannendes und Appetitliches aus den Gerichtssälen sorgte. Also frei nach Turnvater Jahn „frisch, fromm, föhlich, frei“ oder auch auch „Auf ein Neues!“ in 2007!

Christian von Hopffgarten
Rechtsanwalt & Fachanwalt
für Arbeitsrecht
Rechtsanwälte Felser

http://www.kündigung.de

Sport & Recht: Die nächste Episode im Fall “Ingo Steuer”…
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