Die Branche boomt. Man merkt es. Wir merken es. Inzwischen höre ich jeden Tag die bestimmten Antworten unserer Rechtsanwaltsfachangestellten (”Nein.” blablablabla “Nein”. blablablabla “Nein.”), deren wertvolle Arbeitszeit und noch kostbarere Nerven durch belästigende Anrufe der Mindestlohnbranche in Mitleidenschaft gezogen werden. Die Anrufer legen dabei – wie früher die Zeitschriftenwerber an der Haustür – eine scheinheilige räuberische Freundlichkeit an den Tag, die selbst bei trainierten Hörern Wut aufkommen lässt. Heute ging es um bequeme ergonomische Stühle, die wir probehalber bei uns einsitzen könnten. Ist ja wirklich eine sensationell neue Erfindung. Leider sind wir Anhänger der Theorie, dass Bequemlichkeit dem Rücken schadet. Wir setzen nämlich bei uns in der Kanzlei ansonsten nur das zu perfekter Durchblutung und unruhiger Kreativität führende Stuhlmodell “Fakir” ein.

Von den Anwaltsgebühren, die wir für den unerlaubten Anruf kassieren könnten, liesse sich sicher die Anschaffung von zwei Stühlen finanzieren. Ich fürchte aber, dass selbst das ein schlechtes Geschäft wäre und wir lediglich auf (Müll-)Halde arbeiten würden. Denn wer Cold Calls nötig hat, kriegt seinen Krempel in anständigen Geschäften offenbar nicht an die Frau bzw. den Mann.

Ich bin übrigens dafür, dass man die Firmen (wie z.B. die staatliche Süddeutsche Klassenlotterie), die solche Methoden einsetzen, outet, wie das schön systematisch auf “Mein Parteibuch” geschieht.

Schön wäre auch, wenn man solche Anrufe kommentarlos durch Betätigen eines roten Knopfs via Telefonanlage auf eine kostenpflichtige interne Mailbox umleiten könnte. Dort könnte man dann eine Ansage laufen lassen, die um die Daten für die Zusendung einer Abmahnung bittet.

Michael W. Felser
Rechtsanwalt
Felser Rechtsanwälte und Fachanwälte

Callcenter: Täglicher Telefonterror
Bitte bewerten Sie diesen Beitrag

Kommentierungsfunktion ist momentan abgeschaltet.