Ver.di lässt die Muskeln spielen. Nachdem die Arbeitgeberseite in der letzten Runde ein Angebot vorgelegt hatte, das man nur als Provokation bezeichnen kann (4 % Erhöhung für alle über 2 Jahre = 2 (!), dafür sogar eine Arbeitszeiterhöhung um 1,5 Stunden als Gegenleistung = -0,39 %, zusätzlich 1 % für die Fleissigen (also Verhandlungsführer & Friends). Diese Mogelpackung (es wird ja immer von einem Angebot von 5 % gesprochen) wird jetzt teuer. Die ersten Warnstreiks in Krankenhäusern, Kitas, Zoll, bei Polizei und auf Flughäfen werden vor allem den Westen der Republik treffen. 10.000 werden es wohl sein, die streiken. Es folgt das übliche Theater: „Profilierungsversuche“, „nicht zeitgemäßes Ritual“, „Muskelspiele“. Dabei hatte Verdi es ja schon einmal mit einer ehrlichen Forderung versucht. Reflex der öffentlichen Arbeitgeber: „Diktat“. Wenn man also am Ritual hängt, bekommt man es. Natürlich merken die Verhandlungsführer, die mit Chauffeur, Bundeswehrflieger, Nanny und Chefarztbehandlung versorgt sind, die Streiks im Nahverkehr, in Krankenhäusern, auf Flughäfen und in den Kitas nicht. Aber man spürt, dass die Bevölkerung großes Verständnis für den Nachholbedarf bei den Beschäftigten im öffentlichen Dienst hat. Das Gefühl des Lochs in der Geldbörse kennen die meisten sehr gut von sich selbst.

Die gute Nachricht: Solange Schäuble mit Verdi beschäftigt ist, kann er nicht weiter an der Onlineüberwachung rumspielen.

Nehme auch noch Wetten an, dass bald wieder mit der Kündigung sogar von Unkündbaren gedroht wird! „Muskelspiele“ … Dabei ist die Arbeitsplatzsicherheit das beliebteste Argument gegen mit der Privatwirtschaft vergleichbare Löhne und Gehälter.

Michael W. Felser
Rechtsanwalt
Felser Rechtsanwälte und Fachanwälte

Warnstreiks im öffentlichen Dienst
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