Die Juristen behaupten ja gerne, man müsse für das Juraexamen viel mehr lernen als für andere Studiengänge. Auch ich habe als Student auf einem Atari Mega ST und mit dem Programm „Jura Pauk“ Karteikarten nach der „Leitner“-Methode erstellt und damit sehr effektiv gelernt. Jetzt gibt es eine kollaborative Internetseite zum „Pauken“, die hilft, den Lernstoff zu behalten und Karten gemeinsam zu erstellen. Die Software ist memotechnisch auf dem neusten Stand. Die Kollaboration besteht darin, dass man gemeinsam aber an verschiedenen Orten pauken kann und auch die von anderen Nutzern erstellten Datensätze nutzen kann. Der künftige Strafverteidiger stellt also dem künftigen Bundesminister seinen Strafrechtssatz zur Verfügung, der Bundesminister dafür das Verwaltungsrecht. Natürlich endet hier die Kollaboration nicht. Eine Grafik verdeutlicht das Konzept. Die Funktionsweise wird in einem Video auf der Startseite und auf dem Blog in einer Präsentation gut erläutert. Das Projekt ist gut dargestellt und klar strukturiert. Blog, Wiki und Forum gehören zu einem Web 2.0 Projekt fast schon zum Standard. Die Nutzung von Cobocards ist während der Betaphase kostenlos. Später wird es – wie meist bei solchen Projekten – eine kostenlose Version und eine in den Funktionen erweiterte kostenpflichtige Version geben. Man sollte sich also mit den Nutzungsbedingungen (Datenschutz, Urheberrechte) vertraut machen. Hinter dem mit öffentlichen Mitteln geförderten und aus einer Diplomarbeit entstandenen Projekt stehen Wissenschaftler der RWTH in Aachen. Ich würde es als Jurastudent oder Rechtsreferendar in jedem Fall testen, denn wenn es hält, was es verspricht, ist damit ein erheblicher Zeitgewinn verbunden. Und vielleicht erspart es sogar den Rep.

Michael W. Felser
Rechtsanwalt
Rechtsreferendariat.de und Juristenausbildung.de
Felser Rechtsanwälte und Fachanwälte

Cobocards: Wenn Juristen legal kollaborieren
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